Einmal „Rücken-Globuli“ und danach verschwanden auch die Schlafstörungen

Auf dem Büchermarkt, gibt es inzwischen für fast jeden Lebensbereich Homöopathie Ratgeber. Der interessierte Laie findet darin für bestimmte Beschwerden allerlei „Symptomen-Listen“ mit den passenden Arzneien. Die Selbstmedikation ist in vielen Situationen sicher hilfreich und nützlich, wichtig sind dennoch einige Regeln die es einzuhalten gilt:

1) Bei ernsten Verletzungen oder der Gefahr von Wundinfektionen immer einen Arzt oder Notarzt rufen.

2) Bei der Gabe der Arznei immer auf die entsprechenden Symptome achten.

Bei Unsicherheit oder „Wirkungslosigkeit“ der verabreichten Globuli immer an einen Therapeuten wenden.

Denn nicht immer ist das vermeintlich indizierte Mittel auch für den jeweiligen Patienten richtig.

Wenn die akute Beschwerde, als Teilaspekt eines chronischen Krankheitsbildes nicht wirklich verstanden wird, wirken Arzneien, die eben nur einen kleinen Teil abdecken nicht wirklich anhaltend.

3) Die Einnahme eines Globuli reicht in der Regel erst einmal aus, ganz im Gegensatz zu „viel hilft viel“. Ein unpassendes Arzneimittel kann, wenn es länger routinemäßig eingenommen wird zu „Arzneimittel-Prüfungssymptomen“ führen und somit eine Verschlechterung bedeuten.

4) Falls sie schon in homöopathischer Behandlung sind, besprechen sie diese eventualität mit ihrem Therapeuten.

„Hercules Farnese“ Kupferstich 1592 - Staatliche Graphische Sammlung München
„Hercules Farnese“ Kupferstich 1592 – Staatliche Graphische Sammlung München

Gerade bei allgemeinen Verletzungen und Sportunfällen wird meist routinemäßig Arnica gegeben. Aber nicht jeder, der sich verletzt benötigt wirklich diese Arznei.

Zum veranschaulichen hier ein Fall von „Hexenschuß“ aus der Praxis:

Schon am Telefon war klar, die Schmerzen sind so stark, es soll schnell gehen!

Herr V. erzählte gleich los: „Ich bin total steif, mir ist irgend etwas in den Rücken geschossen. Vielleicht habe ich eine falsche Bewegung gemacht, oder mich verhoben, so genau weiß ich es gar nicht mehr. Meine Frau gibt mir ja immer wieder solche ‚Kugerl‘, aber dieses mal hats nichts gebracht.

Mit dem Rücken hab‘ ich‘s schon lange! Mei, man arbeitet halt hart, nimmt nicht so viel Rücksicht auf den Körper und Zipperlein haben wir ja alle im Alter!  Aber jetzt geht halt grad‘ gar nichts mehr.“

So hört sich eine typische „Hexenschuß-Geschichte“ an!

Im Krankengespräch erfahre ich, daß er immer mal wieder ähnliche Schmerzempfindungen hat.

Ein Schmerz besonders nach Kälte so wie wund, wie verrenkt. Sehr schlimm im Liegen und auch beim Aufstehen ganz schmerzhaft.

„Besser ist es immer wenn ich ‚was tue‘, wenn ich in Bewegung bin ist es ‚erträglich‘, aber sobald ich vom Sitzen aufstehe: ‚Auweh-zwick‘! Das ist ein reißender Schmerz, der zieht runter zum Bein mit Taubheit und so einem Gefühl wie Ameisenlaufen.“

Eine Ischialgie hat ähnliche Symptome.

„Da hilft dann nur noch eine Wärmflasche, aber der Schmerz treibt mich ja sogar in der Nacht rum.

Ich wälze mich aber nachts schon immer hin und her, so daß meine Frau schon im anderen Zimmer schläft. Aber jetzt muß ich auch noch aufstehen und umeinander laufen um nur ein bisschen Erleichterung zu haben. Wenn ich mit dem Rücken auf dem Boden liege geht es.“

In der Befragung erfahre ich noch ein paar ganz andere Beschwerden.

„Meine Frau sagt beim Essen immer wieder ‚was knackst denn so mit deinem Kiefer!‘ Aber das ist halt so bei mir da kann man ja nichts machen. Aber die Rückenschmerzen machen mir schon sehr zu schaffen. Dabei bin ich doch der totale Bewegungsmensch, das ist ja hier in der Region normal. Nur wenn ich verschwitzt bin, muß ich mich sofort umziehen, bei dem kleinsten Lüftchen bin ich schon wieder steif! Jetzt habe ich immer die Wechselkleidung im Auto liegen, damit mir das nicht passiert.

Wenn ich zu Hause aus dem Auto steige, strecke ich mich, das habe ich mir auch schon angewöhnt, weil es einfach gut tut.“

„Rhus toxicodendron“ von Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé. Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885.
„Rhus toxicodendron“ von Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé.
Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885.

Er hat ein homöopathisches Arzneimittel in kleinen Gaben bekommen ca. eine Woche lang, bis die Rückenschmerzen vollständig verschwunden waren.

Nach einem Monat berichtete er wieder am Telefon voller Erstaunen, daß die Schlaflosigkeit verschwunden ist. Er schläft wie ein Stein und  wundert sich, daß der Wecker klingelt bevor er ‚in der Nacht gewandert ist‘

„Da bin ich mit einem Rücken gekommen und habe noch einen gesunden Schlaf bekommen! Ist das möglich?“

Dieses Fallbeispiel verdeutlicht evtl. wie wichtig die ausführliche Befragung eines erfahrenen Therapeuten ist, um die Gesamtheit der Krankheit zu verstehen um eine passende Arznei zu verordnen.

Kochler Blattl – März 2014