Die Honigbiene – das Arzneimittelbild von Apis mellifica

Im Jahr 1847 führte Constantin Hering, ein Schüler von Samuel Hahnemann diese potenzierte Arznei ein. Es war besonders die Heilungsgeschichte eines 12 Jährigen, von der er in Amerika erfuhr und die ihn nachhaltig beeindruckt hatte. Der kleine Junge litt an Wassersucht infolge einer Ruhrerkrankung, sein Zustand wurde immer lebensbedrohlicher. Eine Indianerin des Stammes der Narragansett empfahl den Angehörigen, mehrere Honigbienen einzufangen, sie im Backofen zu töten und diese pulverisiert dem Jungen morgens und abends im Saft einzugeben. Daraufhin verringerten sich die starken Schwellungen und das Kind war nach einigen Wochen vollständig gesund.

Schon die Symptome eines Bienenstichs, die Lebensform und das Verhalten der Biene geben Hinweise auf das „Wesen“ des homöopathischen Arzneimittelbildes von Apis mellifica.

„Bees Collecting Pollen 2004-08-14“ by Jon Sullivan – Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons

Das Bienengift ist eine wirksame Waffe

Den Giftstachel besitzen nur die weiblichen Bienen, er wird gegen Eindringlinge, überzählige Königinnen und Drohnen, die männlichen Bienen, nach der Begattung der Königin eingesetzt. Für andere Insekten ist das Gift meist tödlich. Wird jedoch ein Mensch gestochen, entwickeln sich heftige Symptome, die aber sehr selten tödlich sind.

Direkt nach dem Stich reagieren wir mit einem Schrei, da der Schmerz plötzlich, heftig und sehr intensiv auftritt. An der Einstichstelle entsteht eine heiße rötliche Schwellung, die brennt und sticht. Sie ist berührungsempfindlich und der Schmerz ist durch kalte Anwendungen zu lindern. Es gibt auch unvermittelt bedrohliche allergische Reaktionen bei manchen Menschen. Sie reichen von Nesselsucht am ganzen Körper, ausgedehnten Schwellungen am ganzen Körper bis hin zum anaphylaktischen Schock und dem wegen der Erstickungsgefahr gefürchtetem Kehlkopfödem.

Die Beschwerden und Krankheiten, welche das Arzneimittel Apis benötigen, zeichnen sich durch eben diese ähnliche Symptomatik aus. Dabei ist nicht entscheidend wie eine Krankheit heißt, sondern vielmehr wie sie mit dem Beschwerdebild der Giftwirkung der Honigbiene übereinstimmt.

Es sind kurz gesagt Krankheiten, die durch Plötzlichkeit, Intensität, ausgeprägter Schwellung, starken stechenden und brennenden Schmerzen sowie Linderung durch kalte Anwendungen gekennzeichnet sind. Egal ob Allergien, Entzündungen oder Infektionen, es entstehen immer starke lokale oder generalisierte Ödeme (Schwellungen) und Ergüsse. Harnverhaltung als Zurückhalten des Wassers im Organismus ist ein typisches Symptom für Apis besonders, wenn dabei der Durst fehlt. Die Berührung und Wärme verschlimmern die Symptomatik, wobei Kälte lindert; eben wie beim Bienenstich!

Das Verhalten und die Lebensform der Honigbiene

Die Biene lebt wie kaum ein anderes Tier von und für die Gemeinschaft. Der Bienenstaat mit seinen hochentwickelten Sozialwesen wird von 40.000 bis 80.000 Tieren bevölkert. Dieser setzt sich zusammen aus einer Königin, den weiblichen Arbeitsbienen und den ca. 1000 männlichen Drohnen. Es ist somit ein weiblich dominiertes Volk! Jedes Mitglied erfüllt seine eigens festgelegten Aufgaben, die durch Pheromone (Sozialhormone) definiert sind und die ausschließlich der Gemeinschaft dienen. Die Königin als Oberhaupt ist lediglich für die Fortpflanzung zuständig und legt nach der Begattung durch mehrere Drohnen täglich bis zu 2.000 Eier. Die Drohnen, die keinen Stachel haben, werden nach der Paarungszeit aus dem Bienenstock rausgeworfen. In jedem Bienenstaat darf es nur eine Königin geben. Deshalb verlässt die alte Königin den Stock mit einem Teil des Volkes, gleich nachdem im Frühjahr eine junge Königin geschlüpft ist. Alle weiteren Königinnen werden getötet. Aus den Eiern werden Arbeitsbienen, da durch ein bestimmtes Hormon das Heranreifen der Eierstöcke verhindert wird. Sie entwickeln ausnahmslos einen Arbeitstrieb, der entweder zum Waben Bau, Wachdienst, Putzen, Füttern der Königin oder der Larven oder zum Sammeln von Nektar und dem Anlegen der Nahrungsspeicher, dem Honig, dient. Der Fleiß einer Biene ist somit sprichwörtlich.

Die „Apis-Persönlichkeit“ eines Menschen, wenn man überhaupt davon sprechen kann, da dies ja lediglich ein Erklärungsversuch im Energiemuster darstellt, ist ähnlich.

Es besteht eine große soziale und familiäre Komponente, meist gibt die Gruppe ein Gefühl der Sicherheit und Stabilität. Oft ist eine große Ruhelosigkeit und Fleiß, mit einer bis hin zur Selbstaufgabe und Erschöpfung reichenden Betriebsamkeit, zu beobachten. Sie können schnell gereizt und aggressiv reagieren, wenn jemand in der Familie schlecht oder ungerecht behandelt wird. Wobei sie auch zu Eifersucht neigen, wenn sie sich selbst zurückgesetzt fühlen.

Hier ein kurzes Fallbeispiel aus meiner Praxis:

Ein 4 ½ jähriges Mädchen leidet unter Heuschnupfen, mit stark geschwollenen und geröteten Augen, die brennen und jucken. Wenn es akut ist, sind sie sehr heiß.

Sie besucht einen Waldkindergarten und ist von sich aus immer „unterwegs“. Sie ist sehr selbstständig und hat ein ausgeprägtes Sozialverhalten, wie die Mutter es beschreibt. In der Regel sollen die anderen es so machen wie sie es bestimmt. Sie putzt gerne und ist sehr ordentlich. Manchmal erwacht sie nachts mit einem Schrei aus dem Schlaf, Abdecken der Decke ist dann besser. Sie rennt viel herum und badet leidenschaftlich, auch in kaltem Wasser.

Sie verkleidet sich gerne und auf meine Frage: „als was denn am liebsten?“ antwortet sie sofort: „Ich bin Biene Maja“! Dabei klettert sie auf den Stuhl in der Praxis, auf dem die Mutter sitzt, steigt auf die Rücklehne und strahlt! „Und außerdem tanze ich gerne!“

Hier waren so viele Hinweise auf das Arzneimittel Apis, welches sie sofort in der Praxis bekam.

Erst nach einem Jahr kam die Mutter mit ihr wegen einer Mandelentzündung. Es war eine Tonsillitis mit starker Schwellung, feuerrot mit stechenden Schmerzen. „Es brennt wie Feuer!“

Auf meine Frage was der Heuschnupfen mache, erhielt ich die Antwort: „Da gab es nie mehr Probleme!“ Durch die deutliche Arzneimittelreaktion und die anhaltende Besserung über ein Jahr, war auch hier für die akute Mandelentzündung das Arzneimittel Apis mellifica treffend.

Diese kurze Beschreibung aus der Praxis macht uns deutlich, wie die Symptome im Krankheitsfall und das Arzneimittelbild wie im Puzzle übereinstimmen müssen, damit die ähnliche Arznei wirken kann.