Trauma überwinden und „weiter fliegen“

Das Wort Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet erst einmal ganz allgemein Verletzung oder Wunde. Medizinisch bezeichnet es eine durch Unfall oder Gewalteinwendung hervorgerufene Verwundung. Analog dazu kennen wir den Begriff Psychotrauma, hervorgerufen durch eine starke psychische Erschütterung, die durch ein traumatisierendes Erlebnis hervorgerufen wurde.

Wenn diese Begriffe uns gerade in der heutigen Zeit immer wieder begegnen, ist es hilfreich sich ein paar Dinge zu vergegenwärtigen.

Das Risiko einmal im Leben ein traumatisierendes Ereignis zu erleben ist größer als man denkt. Die davon hervorgerufenen Belastungsreaktionen können oft sehr gut bewältigt werden. Dies geschieht in dem Zeitraum von ca. 4 – 6 Monaten. Das soziale Umfeld, eine gesicherte Umgebung und Verständnis können positiv zur Heilung beitragen. Die durch Selbstheilungskräfte mögliche Verarbeitung (Resilienz), kann sozusagen ein Zurückkommen, Anknüpfen an das Lebensgefühl vor dem Ereignis möglich machen. Wenn die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auftritt, ist eine Therapie dringend angeraten, nicht nur weil der Körper innerlich den „Stress“ weiter erlebt. Auch ein einfacher Reiz, kann zu einer erneuten Kaskade von überbordenden Empfindungen führen. Hier sprechen wir von einer Re-Traumatisierung. Der Betroffene bedarf dringend einer konstanten Stabilisierung und geschulter Begleitung.
Hier ist Trauma demnach „kein Ereignis“, sondern eine individuelle Reaktion, wo Flucht und Kampf nicht möglich ist.

Ein kleines Fallbeispiel:
Eines Morgens, ich war beim Gießen der Geranien und plötzlich sah ich ihn, den kleinen Vogel unter der Fensterscheibe am Boden liegen. Das Vögelchen war wohl gegen die Scheibe geflogen und lag nun wie tot da. Er war noch am Leben! Die Augen waren halb geschlossen und der Schnabel öffnete und schloss sich langsam in einer langsamen Bewegung… bei meiner ersten einfachen Untersuchung fiel mir auf, dass er seinen Kopf immer wieder hängen lies, es war absolut keine Kraft vorhanden ihn zu halten. Außer diesem komatösen Ausdruck mit der langsamen Schnabelbewegung wies es keinerlei Reaktion auf.

Für Fälle wie diesen, dass Vögel an die Fensterscheibe fliegen, habe ich ein paar Fläschchen mit Arzneitropfen griffbereit. Dies sind homöopathische Hochpotenzen von Arnika (Bergwohlverlei), Aconitum (Eisenhut) und Opium (Schlafmohn).
Bei diesem kleine Buchfink Weibchen, entschied ich mich sofort für die Arznei Opium C 200.

Das homöopathische Arzneimittel Opium wird aus der Pflanze Papaver somniferum hergestellt, verdünnt und potenziert ist kein Molekül der Pflanze mehr in diesem Medikament vorhanden. Bis zur C 4 Potenz ist der Besitz und Gebrauch Opium nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten!
Der Schlafmohn, wie der Name schon sagt wurde schon seit alters her als Droge zur Schmerzlinderung und als Schlafmittel verwendet. Die Inhaltsstoffe dienen zur Herstellung von Morphium und Heroin. Traumatisierte Soldaten, die aus dem Vietnamkrieg zurück kamen waren teilweise zu Morphium Abhängigen geworden, da sie seelisch nicht mehr in der Lage waren, die erlebten grauenhaften Bilder zu verarbeiten. Diese Art der Posttraumatischen Belastungsstörung passte sozusagen spezifisch zusammen, um mit dieser Droge die seelischen Schmerzen zu betäuben. Um körperliche Schmerzen zu lindern werden in der Schmerztherapie der Palliativmedizin Morphinpflaster unter strenger ärztlicher Aufsicht eingesetzt.

"Papaversomniferum" by No machine-readable author provided. Marknesbitt assumed (based on copyright claims). - No machine-readable source provided. Own work assumed (based on copyright claims).. Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons
„Papaversomniferum“ by No machine-readable author provided. Marknesbitt assumed (based on copyright claims). – No machine-readable source provided. Own work assumed (based on copyright claims).. Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons

Diese Polarität wird auch im Wirkungsspektrum der homöopathischen Arznei sichtbar. Ein sehr sensitiv, kraftvolles Lebensgefühl kann plötzlich durch Schwächung der Lebenskraft zur Lethargie, Benommenheit und Stumpfheit führen. Dem Gefühl der „Glückseligkeit“, wie sie in Erfahrungen der Meditation oder in Rauschzuständen beschrieben wird, folgt durch Schockereignisse, Schmerzen oder traumatische Erlebnisse ausgelöst, angstvolle Verzweiflung bis hin zum Koma. Typisch ist die zutiefst schmerzerfüllte Wahrnehmung, eine plötzliche Veränderung die über das hinausgeht, was man in der Lage ist zu ertragen.

„Mohnfeld Waldviertel1“ von Welleschik - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
„Mohnfeld Waldviertel1“ von Welleschik – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Schmerzzustände die nicht mehr auszuhalten sind, Operationsfolgen mit dem kennzeichnenden komatösen Zustand, einer unkontrollierbaren Schläfrigkeit mit schnarchender Atmung und hängenden Augenlidern. Ursachen dafür, können von Gehirnblutung bis hin zu schockierenden Erlebnissen sein.

Buchfink Opium
Buchfink

Aber zurück zum Vögelchen! Ich hielt es in der linken Hand und mit meiner Rechten, öffnete ich den Schraubdeckel des Fläschchens und tropfte ein paar Tropfen auf das Schnäbelchen… es dauerte nicht lange und die Zunge bewegte sich vor und zurück. Das kleine Wesen schluckte! Nun bereitete ich, ebenfalls „einhändig“, ein kleines Nest aus einem alten Schuhkarton (mit Seitenlöchern!), mein Halstuch kam hinein und bevor ich auch das Vögelchen hineinsetzte gab es nochmals Medizin! Dann ich legte es zwischendrin mal auf dem Gartentisch. Ein weiterer Test, ob eventuell ein Beinchen gebrochen wäre, es konnte sich kaum auf den Füßen halten, plumpste seitlich, aber kurzzeitig stand es! In der „Klinik-Kiste“ erholte es sich langsam und ab und zu schaute ich vorbei um ihm wieder etwas von der potenzierten Arznei ins Schnäbelchen zu tropfen.

Nach einem späteren Praxistermin, durfte ein Mädchen mit mir nach dem Vogel-Patienten sehen. Wir öffneten den Deckel und da saß das Vögelchen mit weit offenen Augen und erhobenen Schnäbelchen, so als wolle es uns zu begrüßen. Wieder nahm ich es in die Hand und das Mädchen tropfte die Arznei über das geöffnete Schnäbelchen. Das Vögelchen ruckelte und ruckelte in meiner Hand. So machte es uns deutlich, dass es wieder voller Tatkraft war! Wir meinten es wäre an der Zeit zu sehen, ob das Vögelchen nun gesund sei. Ich öffnete meine Hand es saß da und schaute sich um, gerade so als wolle es sich vergewissern, ob wir alle aufmerksam wären. Dann, ganz plötzlich, fingen die Flügelchen zu flattern an bis das Vögelchen los flog und in wellenartigen Flugbewegungen über dem Garten im Himmel verschwand. Als Erinnerung blieb ein kleiner Vogel-Schiss in meiner Hand zurück. Darüber lachten wir zurück gebliebenen erleichtert.