„Schwimmerohr“ – Vorbeugung – Abhilfe – „Otitis externa“ Fallbeispiel

Herrlich, dieser Sommer mit Badevergnügen, ausgelassenem Toben, Schwimmen und Planschen in Pools, Schwimmbädern und Seen. Ja, wir kennen dieses fröhliche Treiben in den Sommermonaten und in unserem Urlaub sicherlich aus eigener Erfahrung.
Das sogenannte „Schwimmerohr“ kann einem dieses Vergnügen jedoch gründlich versauen! Auch die Begriffe wie „Bade-Otitis“ oder „Taucher-Ohr“ stehen für das durch Wasser im Gehörgang ausgelöste Geschehen.
Meist handelt es sich um eine Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa), deren Schmerzen im Ohr sehr beängstigend und heftig sein können. Wenn es schon so weit gekommen sein sollte, ist in jedem Fall medizinische Abklärung gegenüber der Mittelohrentzündung (Otitis media) nötig!

Was kann nun in unserem Gehörgang zu solch einem Prozess führen?
Man kann es sich kaum vorstellen, dass das Wasser allein daran schuld sein soll.
Es gibt verschiedene Ursachen, wodurch es zu solch einer schmerzhaften Symptomatik kommen kann.

Gehörgang v. Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body

Wir haben in unserem Ohr mit dem Ohrenschmalz (Cerumen) ein natürliches Reinigungssystem. Er befeuchtet die Haut und dient dazu Staub, Fremdkörpern und abgestorbener Hautschuppen aus unserem Ohr zu entfernen. Außerdem beinhaltet er das Lysozym, einen Wirkstoff, der eine antibakterielle Wirkung hat und außerdem Insekten davon abhält in das Ohr zu fliegen!
Durch häufiges Schwimmen, Baden oder Ohrenreinigen wird leicht zu viel Ohrenschmalz ausgespült. So kann durch das Fehlen dieser körpereigenen Säureregulation das Hautmilieu im Ohr gestört werden und als Folge eine Entzündung durch Bakterien, Viren oder Pilze ausgelöst werden. Dabei können Allergien, Diabetes mellitus oder auch das Tragen eines Hörgerätes eine Entzündung des Gehörgangs noch zusätzlich begünstigen.

Badende Frauen und Kinder – 1925-32 Ernst Ludwig Kirchner – Reprography from art book, Public Domain

Um solch einer Entzündung vorzubeugen, reicht es meistens bereits aus z.B. nach dem Haare waschen, Baden oder Tauchen, die Ohren seitlich geneigt mit einem Handtuch zu trocknen oder gegebenenfalls noch mit lauwarmer Luft zu föhnen. Auf Stöpsel im Ohr oder Watte sollte verzichtet werden, da durch das feuchte Milieu eine Gehörgangs-Entzündung nur noch mehr begünstigt werden kann. Es gibt einige probate Hilfsmittel wie spezielle Tauchermasken, die unter Umständen hilfreich sein können.

Richtige „Wasserratten“ kennen diese Problematik meist schon, ebenso wie den austrocknenden Effekt von Chlor in Schwimmbädern.

WK 7 100m Freistil männlich bei den Berliner Meisterschaften und Jahrgangsmeisterschaften im Schwimmen 2018 by Martin Rulsch, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0, CC BY-SA 4.0

Umgekehrt kann aber auch eine Überproduktion von Cerumen zur einer „Klumpen“-Bildung und somit zu einem Pfropfen führen. Das Wasser führt dann zum Anschwellen dieses Pfropfens, wodurch das Ohr fest verschlossen wird und dahinter eine Entzündung entstehen kann. Hier ist es nachvollziehbar, dass es allein durch solch einen vergrößerten Cerumen-Pfropfen zu Schwerhörigkeit und plötzlich auftretenden, massiven Druckschmerzen im Ohr kommen kann!

Die typischen Symptome der Otitis externa sind diese Schmerzen, die durch das Anschwellen des Ohrkanals hervorgerufen werden. Es besteht ein Verstopfungsgefühl und es kann ein milchiger Ausfluss hinzukommen. Der Schmerz tritt verstärkt beim Sprechen und Kauen auf und immer, wenn der Kiefer bewegt wird. Hinzu kommt eine Hörminderung. Wenn man leicht am Ohrläppchen zieht, verstärkt sich der Schmerz deutlich! Dies kann als Test zur schnellen Abgrenzung einer Mittelohrentzündung dienen.

Es gibt ein paar homöopathische Arzneimittel in der Hausapotheke, die bei diesen Beschwerden in Betracht gezogen werden können. Diese sind: Aconitum napellus; Belladonna; Pulsatilla und Hepar sulfuris.

Dazu hier ein stark verkürztes Fallbeispiel aus der Praxis:
Das neunjährige Mädchen stand mit ihrer Mutter an einem Sonntagmorgen im August unvermittelt vor der Tür.
Die Mutter wollte kurzfristig und schnell, noch bevor sie am nächsten Tag zum Arzt fahren konnten, einen Rat.

Badende Kinder von Hermann Steinfurth

Sie erzählte, dass die kleine Wasserratte schon am Samstag Nachmittag über Schmerzen im Ohr klagte, aber partout nicht aus dem Wasser wollte. Sie sei schon ein sehr eigensinniges Kind und versuche immer ihren Willen durchzusetzen. Aber am Abend ging dann eine fürchterliche Schreierei wegen des schlimmen Ohrenwehs los. Sie klagte über stechende Schmerzen, die geringste Berührung an dem Ohr war für sie unerträglich und sie weinte jedes Mal sofort los, wenn ich nur mal kurz nachschauen wollte! Ja, und das einzige, was ihr etwas half, war eine Wärmflasche, die sie sich seitlich neben das schmerzende Ohr hielt.

Mir fiel auf, dass das Mädchen die Mutter keines Blickes würdigte, während diese mit mir sprach. Sie schaute regelrecht widerspenstig und gereizt drein.

Ihre eigene Schmerzbeschreibung war „richtig unerträglich“, besonders wenn sie darauf liege. Es sei ein Brausen im Ohr zusätzlich mit dem Druckgefühl, als sei es total verstopft.
Sie sagte, es sei wie „voll mit Watte“, die aber auch noch sticht! Über diese ungewöhnliche Beschreibung musste sie selbst kurz grinsen.

Photo von Norbert Nagel – Graffito: Unknown artist, CC BY-SA 3.0

Eine weitere Befragung ergab, dass sie kein Fieber hatte, aber sehr empfindlich auf Zugluft und Kälte sei und jetzt, wie auch generell, gerne Mützen trage. Sie brauche immer viel Wärme.
Die Arznei Hepar sulfuris, die hier sehr schnell und anhaltend half, ist bekannt für die extreme Schmerzempfindlichkeit mit stechendem, splitterartigen Charakter. Der Mangel an Lebenswärme mit der hinweisenden hohen Empfindlichkeit bis Unerträglichkeit von Kälte und Zugluft ist typisch! Es besteht eine große Eiterungsneigung, ähnlich wie bei den Arzneien Silicea und Mercurius (die schon mal vorgestellt wurden). Eine Differenzierung kann mitunter schwierig sein und bedarf detaillierter Arzneikenntnisse.

Die potenzierte Arznei Hepar sulfuris ist aus der kalkhaltigen Schwefelleber gemacht; sie wird durch Verbrennen des weißen inneren Bestandteils der Austernschale und weißer Schwefelblumen in einem geschlossenen Tiegel hergestellt. Schon diese sehr besondere Herstellung im total abgeschlossenen Tiegel lässt eine Assoziation mit dem Druck im „abgeschlossenen“ Gehörgang eines „Schwimmerohrs“ zu.