Die Berührung der Lebenskraft ist eine Frage der Resonanz

Dem Gefühl der tiefen Berührung in unserem Inneren, folgt manchmal ein kurzer Moment des Innehaltens und der Ruhe, bevor wir eine Reaktion auf dies Ereignis wahrnehmen. Im Positiven geht es uns so, wenn wir uns verlieben, tiefe Zuneigung spüren, eine wohlige Situation erleben in der wir uns einfach gut fühlen. Das kann sich aber auch ganz anders anfühlen, sozusagen im Gegenteil als Schock oder Krankheit. Das kann jeweils schnell oder schleichend wahrgenommen werden. Die Gründe für eine im Inneren gespürte Veränderung können aber auch ganz banal sein wie etwa Hunger, Temperaturveränderungen …

Die Kraft, die solches Erleben anzeigt ist die, in uns lebenden Wesen wirkende und wie Hahnemann sagte,  „geistartige“ Lebenskraft.  Im Allgemeinen machen wir uns keine großen Gedanken über die in uns wirkende Lebenskraft. Wenn unser Leben so von uns gewohnt „läuft“, entspricht es der heute oft gehörten „s‘past scho“-Phrase.

Die kleineren Unpässlichkeiten, Beschwerden sehen wir als vorübergehendes Geschehen, welches das Leben einfach so mit sich bringt. Das ist auch gut so. Denn die Lebenskraft lenkt alle notwendigen körperlichen Abläufe und Funktionen, die nötig sind um uns am Leben zu erhalten. Dass es jedoch weit über körperliche Regulierungsprozesse hinaus Wirkungsbereiche der innewohnenden Lebenskraft gibt, ist schwer vorstellbar.

Wenn wir in eine emotionale „Schieflage“ kommen, erschöpft sind oder Veränderungen bemerken, die nicht unbedingt körperlicher Natur sind, glauben wir es wäre ein Zeichen unseres Charakters.

Spiegelbild by Oskar Zwintscher
Spiegelbild von Oskar Zwintscher

Das ist jedoch nur bedingt so. Im Verlauf unseres Lebens zieht sich ein einzigartiges „Muster“ regulierender Veränderungen unserer ureigenen Lebenskraft wie ein roter Faden. Es sind die für unsere Gesundheit „nötigen“ Maßnahmen bzw. Antworten um Beschwerden so gering wie möglich zu halten oder mit ihnen klar zu kommen. Dann denken wir, all das ist normal, das wäre ja bei jedem so… aber weit gefehlt! Eine rein charakterliche Angelegenheit ist es auch nicht! Es wäre ja schlimm, wenn Infektionskrankheiten, Unfälle oder chronische Krankheiten eine Folge unseres eigenen Wesens wären. Krankheiten gibt es schon immer, seit dem Sündenfall aus dem Paradies haben wir Menschen die Möglichkeit und Freiheit uns auf die Suche nach der verlorenen „Einheit“ zu begeben. Ein allen Religionen innewohnendes Streben, Suchen und eine Bewusstwerdung!

Aber bevor wir uns hier in philosophischen Fragen verlieren, zurück zur Lebenskraft.
Es gibt unterschiedlichste Formulierungen, wie reaktiv das Muster der Lebenskraft „spricht“!
Reaktionen auf Kommentare, Situationen am Arbeitsplatz, auf Wetterveränderungen, Familiendynamiken… weisen schon auf Empfindlichkeitsbereiche. Aber wie „zeigt“ uns die Lebenskraft ihr eigenes Reaktionsmuster?
Die unterschiedlichsten Ausdrucksweisen spiegeln hier einige Facetten der jeweils individuellen „Schwingungsmuster“:

Das lässt mich kalt – Null Problem – Tangiert mich gar nicht…

Das bringt mich auf die Palme – Das bringt mich aus der Fassung…

Das ist erschütternd – Aus der Bahn geworfen…

Zieht mir den Boden unter den Füßen weg…

Einfach zum Kotzen – Gequält und ausgenutzt…

Natürlich können wir solche Ausdrucksweisen auch charakterlichen Typen zuordnen. Im Krankheitsfall, wenn wir in einen veränderten „Schwingungszustand“ geraten, sich der Organismus verändert, dann sind solche unbewusst ausgedrückten Sprüche Zeichen der veränderten Lebenskraft!

Wasseroberfläche als Spiegel in der Illustration Von John Bauer - 6gGArsoQ1OQVQA at Google Cultural Institute maximum zoom level, Gemeinfrei
Wasseroberfläche als Spiegel in der Illustration „Ännu sitter Tuvstarr kvar och ser ner i vattnet“ von John Bauer

Tröstlich ist ja in jedem Fall, dass es genau die veränderten Symptome und Zeichen im Krankheitsfall sind, die mit der „verstimmten Lebenskraft“ deutlich gemacht werden.

Das können wir uns so vorstellen, als würde ein Schleier einer fremden, „Unsinn“ sprechenden und anders eingefärbten Energie sich mit unserer „eigenen normalen“ Ausdrucksweise vermischen. Es ist sozusagen eine Kakophonie, ein Missklang, wie durch ein uns fremdes Lied.

Die Frage, wie nun diese Irritation der verstimmten Lebenskraft aufgehoben werden kann, ist von Hahnemann mit der Erkenntnis des Ähnlichkeits-Prinzips verdeutlicht worden. Schon frühere Gelehrte haben dieses Wirkungsprinzip beschrieben, aber mit der Homöopathie wurde eine wirkliche Heilkunst etabliert. Die Frage Wie wird nun die Lebenskraft erreicht?“, geschieht durch Resonanz. Auch das kennen wir unabhängig von „Globuli-Gaben“! Zum Beispiel wenn wir uns an Begebenheiten, Situationen oder Ereignisse erinnern, die uns im Innersten berührten, in denen wir für einen Moment den Atem angehalten haben und wir in uns eine regulierende Erkenntnis spürten.

 von Steffen Rehm - Eigenes Werk, Gemeinfrei
Ausschnitt aus der Mandelbrot-Menge

Egal, ob es ein Witz war, ein Blick in den Spiegel oder eine berührende Geste… unerwartet kann so unsere innewohnende Lebenskraft ihre Schwingung zu Gesundheit regulieren. Das sind die uns allen geschenkten Selbstheilungskräfte. Mit dem Wissen sollten wir stets angehalten sein, offen und neugierig die harmonisierenden Energien bloß nicht zu verpassen! Denn hinter allen gewohnten Denkmustern kann sich genau der unbekannte Gedanke verbergen, der diese „Disharmonie“ aufrechterhält.

Zum Abschluss noch ein deutlich gekürztes Fall-Beispiel aus der Praxis:

Ein 9 jähriger Bub kommt wegen Husten, Schnupfen und wiederkehrender Bauchschmerzen mit seiner Mutter in die Praxis. Sofort fängt er an sehr detailliert seine Beschwerden zu beschreiben. Sein Bauch tut eigentlich immer weh, während er die Schmerzen beschreibt, zeigt er mit seinen Händen immer boxende Gesten. Diese „Schlagbewegungen“ begleiten alle weiteren Schilderungen, z.B. die Verschlimmerung, wenn ihn jemand berührt, nicht nur in allen möglichen Situationen und Geschichten, es bleibt in seiner Phantasie immer ein verletzend schmerzhaft gefühltes Ende. Alle möglichen Untersuchungen blieben ohne Befund. Die Fehltage in der Schule nahmen zu und es sollte irgendwas vorwärts gehen, zumal hin und wieder auch Kopfschmerzen „dazu“ kamen. Ich fragte nach Verletzungen, bzw. Unfällen, worauf er gleich antwortete, dass er einmal, als er ganz klein war, aus dem Bett der Eltern gefallen sei. Das haben ihm seine Eltern immer wieder mal erzählt, dass es aber niedrig gewesen sei und eher als harmloses Ereignis wahrgenommen wurde.

Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia) im Morgenlicht. Aufgenommen in der Nähe von Holzegg (1405 m.ü.M.) im Schweizer Kanton Schwyz.
Gewöhnlicher Löwenzahn im Morgenlicht by Uwelino – Own work

Träume hat er vom Schweben, erzählte er und so was möchte er mit seinem Vater mal machen wie die Fallschirmspringer, welche er manchmal beobachtet, wenn auf dem Truppenübungsplatz Übungen stattfinden. Das findet er toll! Soldat will er nicht werden, da kann man verletzt werden und da kann er gar nicht hindenken ohne nicht gleich diese Bauchschmerzen zu haben.
Noch in der Praxis bekam er eine Einzelgabe Taraxacum-officinale.
Nach einem Monat beim Folgegespräch erzählte er sofort, wie super es ihm gleich nach dem Kügelchen ging: diese furchtbaren Bauchschmerzen waren wie weggepustet! Dazu machte er mit der Linken eine dynamische Handbewegung nach vorne, mit gespreizten Fingern und seine Rechte blieb ruhig und geschlossen vor seiner Brust. Da fragte ich sofort was er mit seinen Händen zeigen würde? „Das ist doch klar, das ist so wie bei einer Pusteblume!“

Pusteblume – fast ausgeblühter Löwenzahn

Ist es hier nicht erstaunlich, wie die Energie seine Lebenskraft berühren konnte? Die potenzierte Energie vom Löwenzahn (Taraxacum officinale) entsprach in einer so präzisen Ähnlichkeit seiner verstimten Lebenskraft, dass er ohne Husten und Schmerzen mit lediglich nur noch leichtem Schnupfen genesen war. Aber noch viel mehr: seine Hände zeigten nicht mehr, wie vorher immer boxend die innerlich ständig erlebte Kampfenergie, weil er nicht mehr in dem „Kampf-und-Verletzungs-Muster“ war. Er benötigte die Arznei nur noch 2 x und entwickelt sich zu einem sehr tiefgründig und reflektierten Jugendlichen.

Taraxacum officinale Köhler’s Medizinal-Pflanzen