Bryonia alba – die Furcht, dass jede weitere Veränderung zur Armut führen kann

In Zeiten materieller Krisen, wie wir sie durch die weltweiten Auswirkungen der Covid-19 Pandemie beobachten können, erscheinen manche homöopathische Arzneimittelbilder häufiger angezeigt zu sein. Es sind z.B. die Arzneimittelfamilien, bei denen der materielle Wohlstand und die finanzielle Absicherung von zentraler Bedeutung sind. Die erste Sorge während der Ausbreitung dieser Viruserkrankung galt vorrangig dem Verhindern der Ansteckungsketten und damit der Gesundheit. Nun stehen die wirtschaftlichen Folgen mit ihren unabsehbaren Konsequenzen im Vordergrund. Viele Betriebe sind in ihrer Existenz gefährdet, langjährige Mitarbeiter werden entlassen oder müssen um ihre Anstellung fürchten. Für das Ende des Jahres wird eine Welle von Geschäfts-Insolvenzen prognostiziert. Diese allgemeine, wirtschaftliche Verunsicherung kann unser Immunsystem ungemein schwächen, so dass sich bestehende Krankheits-Beschwerden verschlimmern, auch wenn keine Virusansteckung erfolgt!

Hier das Beispiel eines Gastronomen mit rheumatischen Schüben aus der Praxis:
„Die Geschichte mit dem Shut-down hat mich schier `entwurzelt´. Nun bin ich schon in der dritten Generation im Wirtshaus tief verwurzelt. Jetzt muss ich erleben, dass alles, wofür meine Eltern und Großeltern gearbeitet und gespart haben, mit einem Mal zunichte gemacht worden ist. Ich kann es nicht fassen, jeder Versuch einen Halt zu finden führt ins Leere! Kein Gast, kein Geld, nur Betriebskosten und keine Chance dies erwirtschafte Geschäft zu erhalten.
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Phänomenologische Betrachtungen: Corona – Virus – Krise – Wandlung

Zuerst einmal der Hinweis, dass ich hier in diesen Zeilen ausdrücklich keine Arzneimittelempfehlungen gebe. Auch in der Praxis gelten ganz klare Regeln des Infektionsschutzgesetzes!

Eher möchte ich gedanklich oder geistig eine Art Ähnlichkeit zeichnen, um einen Hoffnungs-Schein in Richtung einer Bewältigung scheinbar aussichtsloser Erlebenswelten herzustellen.

Die ganze Weltbevölkerung ist inzwischen mehr oder weniger, aber auch unvorstellbar heftig, von der Corona-Pandemie betroffen. Das Leid so vieler Menschen, der Angehörigen geliebter Verstorbener und all der unzählig direkt Betroffenen wird verhöhnt, wenn Verharmlosungen, Verschwörungsgedanken oder leichtfertig verbreitete Theorien viral werden.

Dieses Energiemuster gehört schon längst zu den hervorscheinenden Phänomenen:
Deutlich wird, dass sich „etwas“ seit dem Zeitpunkt der Erwähnung des neuen Virus in uns selbst verändert hat. Bei jedem einzelnen war die Reaktion meist in der Art, wie man selbst sowieso individuell in Krisen agiert. Da gibt es sehr vereinfacht gesagt den Fluchttypen, den Kämpfer oder denjenigen der sich „totstellt“. Alle Ausdrucksformen dieser menschlichen Umgangsmuster in Krisen wie Rückzug in die Isolation aus Angst, egoistische Hamsterkäufe oder die berüchtigten „Corona-Partys“ konnten schnell beobachtet werden. Je länger die Zeit andauerte, die Ansteckungsketten nicht mehr kontrolliert werden konnten, „mutierte“ das Geschehen durch die verschiedensten Nachrichten, besonders auch der neuen Medien, mannigfaltig. So hat sich schleichend in unser kollektives Erleben eine Angst eingeschlichen, die kaum zu beschreiben ist.

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Die Globuli-Einnahme in der homöopathischen Therapie

Wie sollten die Globuli eigentlich eingenommen werden, damit sie wirken? Diese Frage wird mir im Praxisalltag immer wieder gestellt. Genau darum möchte ich hier auf die verschiedenen Bereiche der Arzneimittel Einnahme zur Wiederherstellung der Gesundheit eingehen.

Aber vorerst ein paar Gedanken, die sich nicht nur mir als Homöopathin, aufdrängen.
In der öffentlichen Debatte ist eine deutliche Zunahme an Kritik gegenüber alternativen Heilmethoden festzustellen. Auffallend in der besonders polarisierenden Darstellung der Homöopathie ist, dass immer mit dem Begriff der Wissenschaftlichkeit argumentiert wird und die „Homöopathische Theorie und Anwendung“ in dieser Diskussion kaum eine Rolle spielt!  Da fragt man sich, von was wird hier eigentlich gesprochen? Die Presse Artikel gleichen sich im Tenor wie folgende Schlagzeilen:

Die Homöopathie ist nicht wirksam – nur Placebo Effekt!
In Globuli ist nichts drin – wissenschaftlich bewiesen: Ein „Nichts“ erzeugt keine Wirkung!

Um nun die Frage der Wichtigkeit und Bedeutung der richtigen Globuli Einnahme zu erörtern, könnte man den Eindruck bekommen: Warum ist es denn dann überhaupt von Bedeutung, diese Frage zu stellen?
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Die Schlangen-Energie in der Homöopathie am Beispiel der Korallennatter

Im vorderen Orient stand die Schlange als Symbol für Weisheit und Erkenntnis, ihr sprach man zu, die tiefen Geheimnisse des Lebens zu verstehen. Auch nach der biblischen Geschichte mit der Vertreibung aus dem Paradies, hat diese Vorstellung überlebt. So ist die Äskulapnatter am Stab von Asclepios, dem griechischen Gott der Heilkunst, immer noch das Symbol für den Stand der Ärzte. Bei den Germanen hatte die Midgardschlange, welche die Welt umspannt, eine wichtige Bedeutung.

Ouroboros. Zeichnung von Theodoros Pelecanos aus Synosius, einem alchemistischen Traktat (1648)

Auch in Märchen und Mythen begegnen uns immer wieder verschiedenste Facetten geheimnisvoller Schlangen-Energien.

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Die Berührung der Lebenskraft ist eine Frage der Resonanz

Dem Gefühl der tiefen Berührung in unserem Inneren, folgt manchmal ein kurzer Moment des Innehaltens und der Ruhe, bevor wir eine Reaktion auf dies Ereignis wahrnehmen. Im Positiven geht es uns so, wenn wir uns verlieben, tiefe Zuneigung spüren, eine wohlige Situation erleben in der wir uns einfach gut fühlen. Das kann sich aber auch ganz anders anfühlen, sozusagen im Gegenteil als Schock oder Krankheit. Das kann jeweils schnell oder schleichend wahrgenommen werden. Die Gründe für eine im Inneren gespürte Veränderung können aber auch ganz banal sein wie etwa Hunger, Temperaturveränderungen …

Die Kraft, die solches Erleben anzeigt ist die, in uns lebenden Wesen wirkende und wie Hahnemann sagte,  „geistartige“ Lebenskraft.  Im Allgemeinen machen wir uns keine großen Gedanken über die in uns wirkende Lebenskraft. Wenn unser Leben so von uns gewohnt „läuft“, entspricht es der heute oft gehörten „s‘past scho“-Phrase.

Die kleineren Unpässlichkeiten, Beschwerden sehen wir als vorübergehendes Geschehen, welches das Leben einfach so mit sich bringt. Das ist auch gut so. Denn die Lebenskraft lenkt alle notwendigen körperlichen Abläufe und Funktionen, die nötig sind um uns am Leben zu erhalten. Dass es jedoch weit über körperliche Regulierungsprozesse hinaus Wirkungsbereiche der innewohnenden Lebenskraft gibt, ist schwer vorstellbar. Weiterlesen

Piper nigrum

Piper nigrum, der schwarze Pfeffer, einmal homöopathisch betrachtet, potenziert verordnet –und passend zur Jahreszeit im Pfefferkuchen

Die Familie der Pfeffergewächse bringt einige, in der Küche beliebte Gewürze hervor. Der stimulierende scharfe Geschmack des schwarzen und weißen Pfeffers gehört heute in jedes Gewürzregal. Doch früher war der Pfeffer ein kostbares Gut und wurde zeitweilig sogar mit Gold aufgewogen. Er galt als „König der Gewürze“.

Modell der Nao Lionarda, eines von drei Handelsschiffen eines deutsch-italienischen Konsortiums, das 1505/1506 nach Indien segelte, um von dort Gewürze, v.a. Pfeffer, nach Europa zu bringen. Modell von Hartmut Walter, im Fugger-und-Welser-Erlebnismuseum Augsbug by Neitram – Own work, CC BY-SA 4.0

Händler, die ihren Reichtum unter anderem dem Pfeffer zu verdanken hatten, wurden als Pfeffersäcke bezeichnet. Pfeffer war ein besonderer Luxusartikel, erlangte seine Bedeutung aber vor allem dadurch, dass mit seiner Hilfe Lebensmittel lange haltbar gemacht werden konnten.
Der scharf brennende Geschmack des Pfeffers kommt über die Erregung von Wärme- und Schmerzrezeptoren zustande. Reflektorisch werden Speichel- und Magensaftsekretion angeregt, ebenso die Ausschüttung von Verdauungsenzymen. Pfeffer hat daher eine deutlich appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung. Er kam in der Phytotherapie aber auch in Arzneimitteln sowie Tonika zur Anwendung. Dafür wird er aber heutzutage in Europa kaum noch eingesetzt.
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Calcium carbonicum Hahnemannii – Die Entdeckung der Langsamkeit – Annäherung an die große homöopathische Arznei

Samuel Hahnemann verwendete den schneeweißen Teil, der zwischen der inneren und äußeren Schicht der Austernschale liegt, zur Herstellung der Arznei Calcium carbonicum. Er hielt es für das reinste Kalziumcarbonat. Doch als das Produkt eines Meerestieres enthält es auch Spurenelemente, die im Meerwasser vorhanden sind. Genau diese Tatsache macht es zu einem sehr komplexen und weit größerem Arzneimittel, als es ein chemisch hergestelltes, reines Kalziumcarbonat wäre!

Das feinstoffliche Ähnlicheitsprinzip von Calcium carbonicum zieht sich durch die ganze Natur dieser Arznei und somit entspricht auch ein entscheidender Anteil der Austernmuschel.

Schale einer Auster von I, Manfred Heyde, CC BY-SA 3.0

Es geht um die wesentliche Natur von Schutz gegenüber äußeren Einflüssen und um Stabilität sowie die Organisation innerer Einflüsse. Das Bild des schwachen „Inneren“ der Auster ohne Struktur birgt die Notwendigkeit des Aufbaus einer stabilen Schale zum Schutz als überlebenswichtiges Rückzugsmittel. Somit wird dem „Erbauer von festem Boden aus fließendem Wasser“ im Organismus zwei Polaritäten zugeordnet: die harte Schale der Außenwelt und der weiche Kern der Innenwelt. Weiterlesen

„Schwimmerohr“ – Vorbeugung – Abhilfe – „Otitis externa“ Fallbeispiel

Herrlich, dieser Sommer mit Badevergnügen, ausgelassenem Toben, Schwimmen und Planschen in Pools, Schwimmbädern und Seen. Ja, wir kennen dieses fröhliche Treiben in den Sommermonaten und in unserem Urlaub sicherlich aus eigener Erfahrung.
Das sogenannte „Schwimmerohr“ kann einem dieses Vergnügen jedoch gründlich versauen! Auch die Begriffe wie „Bade-Otitis“ oder „Taucher-Ohr“ stehen für das durch Wasser im Gehörgang ausgelöste Geschehen.
Meist handelt es sich um eine Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa), deren Schmerzen im Ohr sehr beängstigend und heftig sein können. Wenn es schon so weit gekommen sein sollte, ist in jedem Fall medizinische Abklärung gegenüber der Mittelohrentzündung (Otitis media) nötig!

Was kann nun in unserem Gehörgang zu solch einem Prozess führen?
Man kann es sich kaum vorstellen, dass das Wasser allein daran schuld sein soll.
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„Das Kälbchen Rosalie“ – ein Beispiel von Pulsatilla pratensis, die Kuhschelle

Ein „Arzneimittel-Bild“ in der Homöopathie, was ist das eigentlich?

Die Arzneien, welche in der homöopathischen Behandlung verordnet werden, sollten immer möglichst exakt der Ähnlichkeit des Krankheitsbildes entsprechen. Um nun ein “Arzneimittel-Bild“ zu beschreiben ist es hilfreich, ein “Krankheits-Bild“, also den Zustand (des Patienten) in der Krankheit genauer zu betrachten. Dazu gehören nicht nur die objektiven Krankheits-Symptome, wie die Beschwerden des Kranken, sondern auch die Umstände, die Modalitäten, die eine Verschlimmerung oder einer Besserung der Beschwerden auslösen dazu, die Uhrzeiten sowie die Gemütszustände, Begleitbeschwerden, als auch sonstige ungewöhnlichen Auffälligkeiten.

Diese hat Hahnemann in seinem Organon der Heilkunde im § 153 folgendermaßen beschrieben: es sind „… die auffallenden, sonderlichen, ungemeinen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles vorzüglich und fast einzig fest in’s Auge zu fassen; denn vorzüglich diesen müssen sehr ähnliche in der Symptomenreihe der gesuchten Arznei entsprechen, wenn sie die passende zur Heilung seyn soll.“

Mit diesen Worten, in der für uns zwar altertümlich anmutenden Sprache, aber mit einer unglaublich exakt formulierten Anweisung, können wir uns dem Verständnis der Energie der Arznei als “Kunstkrankheit“ ähnlich der Energie eines “Krankheits-Falles“ nähern. Weiterlesen

Was ist eigentlich eine „Erstverschlimmerung“ in der Homöopathie

Immer wieder werde ich in der Praxis gefragt, ob es im Zuge einer homöopathischen Behandlung zu einer anfänglichen „Verschlimmerung“ kommt. Verbreitet ist die Sorge, dass es nach der Einnahme der homöopathischen Arznei zwingend zu einer heftigen Zunahme der Krankheitssymptome kommt. Verbreitet ist die Meinung: „Bei der Homöopathie wird immer alles erst schlimmer, bevor es besser wird.“

Der Frage, was mit dem Begriff „Erstverschlimmerung“ gemeint ist, wie sie entsteht und wie sie bewertet werden muss, folgen unmittelbar weiteren Fragen: ob eine „Erstverschlimmerung“ gewünscht ist, weil sie eine gute Arzneiwirkung bedeutet? Ob es immer zu einer „Verschlimmerung“ kommen muss? Wie lange muss man die „Verschlimmerung“ aushalten? Und ist eine „Erstverschlimmerung“ wirklich schlimmer? Dies klingt ja dramatisch! Und deshalb der Reihe nach: Weiterlesen