Was ist eigentlich eine „Erstverschlimmerung“ in der Homöopathie

Immer wieder werde ich in der Praxis gefragt, ob es im Zuge einer homöopathischen Behandlung zu einer anfänglichen „Verschlimmerung“ kommt. Verbreitet ist die Sorge, dass es nach der Einnahme der homöopathischen Arznei zwingend zu einer heftigen Zunahme der Krankheitssymptome kommt. Verbreitet ist die Meinung: „Bei der Homöopathie wird immer alles erst schlimmer, bevor es besser wird.“

Der Frage, was mit dem Begriff „Erstverschlimmerung“ gemeint ist, wie sie entsteht und wie sie bewertet werden muss, folgen unmittelbar weiteren Fragen: ob eine „Erstverschlimmerung“ gewünscht ist, weil sie eine gute Arzneiwirkung bedeutet? Ob es immer zu einer „Verschlimmerung“ kommen muss? Wie lange muss man die „Verschlimmerung“ aushalten? Und ist eine „Erstverschlimmerung“ wirklich schlimmer? Dies klingt ja dramatisch! Und deshalb der Reihe nach: Weiterlesen

Coffea cruda, Schlaflosigkeit mit nervöser Aktivität: ein Fall

Mit einer Tasse Kaffee in kürzester Zeit noch schnell einen homöopathischen Beitrag zu schaffen, inspiriert mich direkt – eben über diese Energie zu schreiben! Anfangen möchte ich daher mit einem Gedicht von Ernst Jandl:

Herr Ober, ob er mal kommt.
Es gibt K Kaffee und der Löff fehlt.

Die potenzierte Arznei Coffea cruda, wird aus der ungerösteten Kaffeebohne des Arabica Kaffeebaumes hergestellt. Die Pflanze gehört zu der Familie der Rötegewächse. Homöopathisch werden einige Arzneimittel aus dieser Pflanzenfamilie verwendet, wie zum Beispiel die von Hahnemann als erste aus der Chinarinde potenzierte Arznei China officinalis oder die evtl. aus der homöopathischen Hausapotheke bekannte Arznei Ipecacuanha aus der Brechwurzel.

Ungeröstete Kaffeebohnen von H. Zell – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Den Ausdruck des Hauptthemas dieser Pflanzenfamilie könnte man folgendermaßen beschreiben: Es herrscht eine permanente Aktivität vor, gesteigert von vielen Ideen und Phantasien, die Vergnügen bereiten, ja, ein gewisses gieriges Hungern nach Anregung und Stimulation. Durch zu viel der Anregung entsteht eine Überreizung, die schließlich alles verschlimmert. Dies ist die „andere Seite der Medaille“, geprägt von Trägheit, Stumpfheit Erschöpfung mit schwindenden Gedanken.

Weiterlesen

Helleborus niger – die Christrose

ist eine Arznei, die besonders am Anfang und Ende eines Lebens, wenn die Bedürftigkeit nach Schutz überlebenswichtig ist und Hilfe und Unterstützung dringend benötigt werden, große Bedeutung hat.
Individuelle, prägnante Zeichen und Besonderheiten können zur Arzneimittelfindung in der Differenzierung bestimmter Arzneimittelbilder wichtige Hinweise sein.
In der Homöopathie gibt es Arzneien, die bei der Verschreibung in der Kinderheilkunde eine besondere Bedeutung haben. Wenn in der frühkindlichen Lebensphase Defizite erkennbar werden oder tiefer liegende Verzögerungen körperlicher oder auch geistiger Natur die  Entwicklung des Kindes beeinträchtigen, wird eine homöopathische Behandlung in Erwägung gezogen. Die Eltern spüren meist recht deutlich, dass es bei ihrem Kind einen Mangel, eine feine Unterscheidung zu anderen Kindern oder wirkliche Beeinträchtigungen gibt.

Arzneien, die jeweils genau diese individuelle Färbung des Defizites in der “Andersartigkeit“ abbilden, stehen in ihrem Entwicklungspunkt in der Evolution oft auch am Anfang der Entwicklungsgeschichte auf der Erde.
Bei den Mineralien sind es vermehrt die Elemente oder Salze am Anfang oder oben in den Reihen des Periodensystems. Dort sind die Elemente noch sehr einfach und gekennzeichnet von einem dringenden “Bedürfnis nach Unterstützung in ihrer Elektronenkonfiguration“ um stabil zu werden. Elemente, die in der Natur besonders in Verbindungen vorkommen, da sie ein stabilisierendes Element benötigen und daher isoliert  sofort  wieder eine Verbindung eingehen. Weiterlesen

Zart besaitet – wenn Reize von außen schutzlos ins Innere strömen

„Du reagierst wieder wie ein Ei ohne Schale“, „Reagiere doch nicht so empfindlich“ oder: „Lass es doch einfach mal an dir abprallen“ sind Kommentare die viele von uns kennen. Besonders, wenn wir uns etwas geschwächt fühlen oder in einer belastenden Situation stecken, erleben wir uns mitunter als „dünnhäutig“ und nicht mehr so belastbar.
Diese Empfindsamkeit kann verstanden werden und gehört zum Wesen des jeweiligen Menschen.
Die psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz: lat. resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) Krisen zu bewältigen, kann sich je nach Erfahrungen und Einflüssen im Leben eines Menschen verändern. Grundvoraussetzungen sind unter anderem Urvertrauen und positive Erfahrungen zu mindestens einer Bezugsperson im Leben eines Kindes. Der Mensch entwickelt sich in der Regel zu einer „reifen Persönlichkeit“, wenn diese Schutzfaktoren im Laufe der Persönlichkeitsentwicklung gestärkt werden.
Was spielt sich aber bei Menschen ab, die schon in ihrer Natur feinfühlig sind? Weiterlesen

Der Rittersporn – Empfindsamkeit und Reaktion auf Furcht vor Verletzung

Das – jedem homöopathischen Arzneimittel innewohnende –  wirksame Energiemuster lässt sich manchmal mit ein paar kurzen, prägnanten Worten, wie eine “Eselsbrücke“, zusammenfassen. Was verstehen wir daraus von der, nach dem Ähnlichkeitsprinzip angewendeten, potenzierten Arznei?

Ajax_suicide_3
„Ajax suicide“ by Wilhelm Bauer (1600 – 1642)

Für die Arznei Delphinium staphisagria, dem Stephanskraut, steckt schon ein wenig im deutschen Namen “Rittersporn“. Der Legende nach wuchs die Pflanze genau dort, wo der griechische Held Ajax, entehrt, außer sich vor Wut und in Rage, sich selbst tötete und sein Blut den Boden benetzte.

Staphisagria gehört zu der Gruppe der Hahnenfußgewächse, ebenso wie Pulsatilla (die Küchenschelle), Ranunculus bulbosus (die Butterblume) oder Aconitum (der Sturmhut). Sie alle zeichnen sich durch eine besondere Empfindsamkeit aus. Aber in jedem dieser Arzneimittel gibt es diesbezüglich eine besondere „Färbung“. Im Fall von Staphisagria, geht es um die romantische Desillusionierung, um die Ehre. Da blitzt schon etwas von dem, oben erwähnten, ritterlichen Umgang hervor! Weiterlesen

In meinem Garten blüht die Schwertlilie – Iris versicolor bei Kopfschmerz

„Es gibt viele Arten von Kopfschmerzen…“ und noch viel mehr homöopathisch wirksame Arzneimittel. Denn auch ein Kopfschmerz ist bei genauerer Betrachtung ein ganz individueller Ausdruck der verstimmten Lebenskraft.

Hierbei interessiert immer die möglichst vollständige Symptomatik.
Ein vollständiges Symptom ist, wenn folgende Punkte zusammen betrachtet werden:

  1. „warum“ und „seit wann“, bin ich krank geworden, sozusagen die plausible Ursache zu Beginn.
  2. „wo“, der exakt Ort der Beschwerden ist zu beschreiben und wohin breiten sie sich aus.
  3. „wie“ sind die Beschwerden. Dies ist mit ganz besonderer Sorgfalt zu untersuchen, denn kaum jemand ist noch darin geübt, die Schmerzen oder die Art der Empfindung exakt zu beschreiben. Wenn jedoch klarer wird, dass dies für die Arzneifindung in der Homöopathie entscheidend ist, wird es spannend bei sich selber mal nachzufühlen, wie vielfältig Schmerzen sein können. Ist es ein Brennen, mit Hitze oder eher mit Jucken verbunden… ein Gefühl von Stechen wie Glassplitter, oder eher ein Pieksen wie ein Insektenstich… dumpf oder ziehend…?
  4. „wodurch“ werden die Symptome schlimmer oder gelindert?
    Dies sind die Modalitäten, die ganz einzigartig und bei jedem unterschiedlich sein können!

Neben dem „Vollständigen Symptom“ ist es hier von weiterem Interesse ob es bestimmte Veränderungen oder Auswirkungen auf die emotionale Stimmungslage gibt: so wie z.B. Gleichgültigkeit, Rückzug oder verstärkte Reizbarkeit.

Wenn wir nun den Kopfschmerz im allgemeinen nochmals unter diesen Aspekten ansehen, stellen wir sehr schnell fest, dass es zwar Kopfschmerztabletten gibt, die helfen den Schmerz zu beseitigen, dass es aber für die Besänftigung der innersten „Wurzel“ der jeweils individuellen Symptomatik keine „Allgemeinpillen“ gibt.
Weiterlesen

Zecken – was kann ich tun?

Zecken gibt es einfach – Hilfe auch

Jedes Jahr aufs Neue, wenn die Temperaturen im Frühjahr steigen, stellt sich die Frage: soll ich mich gegen Zecken impfen?…oder nicht?
Es gibt ein paar wissenswerte Fakten rund um das Thema Zecken.

Zeckenwarnung
„Zeckenwarnung“ von Matthias Apsel – Eigenes Werk, CC0

Es gibt keine wirkliche Sicherheit von einer Zecke gebissen zu werden, es gibt aber einiges durchaus wissenswertes zu beachten. Was schützt uns vor dem Biss? Als erstes auf geschlossene Schuhe und Kleidung achten, wenn es hinaus in die Natur geht durch Wiesen, Wald und Gebüsch. Nach einem Spaziergang oder bei Kindern, die gerne draußen spielen, regelmäßig, sollte der ganze Körper nach Zecken abgesucht werden. Es dauert in der Regel eine Weile bis sich eine am Körper wandernde Zecke festsetzt. Das geschieht meist an warmen, gut durchbluteten Stellen wie z.B. den Leisten, oder an Stellen wo, die Haut weicher ist.
Weiterlesen