Die Brechnuss Nux vomica nur ein „Katermittel“?

Schon in den Anfängen meiner Homöopathie Ausbildung machte in diversen Bekanntenkreisen ein homöopathischer „Geheimtipp“ die Runde. Und zwar die besten Globuli für den „Tag danach“, damit war der Kater nach einer wilden Party gemeint. Manche waren so begeistert von der Wirkung, dass sie behaupteten, die Globuli immer mit dabei zu tragen.

Ja und das stimmt auch! Es ist eben diese spezielle „Kater-Indikation“ (Einsatz zum Heilzweck), die bekannt ist oder von der man evtl. schon mal gehört hat.

Aber warum ist das so? Und was steckt dahinter?

Die Brechnuss, Krähenauge oder „Strychnos nux vomica“ ist ein Strychnin haltiger Baum der in Indien und Sri Lanka heimisch ist. Er gehört zu der Pflanzen-Familie der Loganiaceae. Das sind meist Bäume, Sträucher oder Kletterpflanzen, die gemeinhin wegen ihres Alkaloids, dem Strychnin, bekannt sind. Aus manchen Arten dieser Pflanzenfamilie wird z.B das südamerikanische Curare-Pfeilgift hergestellt. Hierzulande war Strychnin lange Zeit das Rattengift der Wahl und wird bis heute immer noch als Gift assoziiert.
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Piper nigrum

Piper nigrum, der schwarze Pfeffer, einmal homöopathisch betrachtet, potenziert verordnet –und passend zur Jahreszeit im Pfefferkuchen

Die Familie der Pfeffergewächse bringt einige, in der Küche beliebte Gewürze hervor. Der stimulierende scharfe Geschmack des schwarzen und weißen Pfeffers gehört heute in jedes Gewürzregal. Doch früher war der Pfeffer ein kostbares Gut und wurde zeitweilig sogar mit Gold aufgewogen. Er galt als „König der Gewürze“.

Modell der Nao Lionarda, eines von drei Handelsschiffen eines deutsch-italienischen Konsortiums, das 1505/1506 nach Indien segelte, um von dort Gewürze, v.a. Pfeffer, nach Europa zu bringen. Modell von Hartmut Walter, im Fugger-und-Welser-Erlebnismuseum Augsbug by Neitram – Own work, CC BY-SA 4.0

Händler, die ihren Reichtum unter anderem dem Pfeffer zu verdanken hatten, wurden als Pfeffersäcke bezeichnet. Pfeffer war ein besonderer Luxusartikel, erlangte seine Bedeutung aber vor allem dadurch, dass mit seiner Hilfe Lebensmittel lange haltbar gemacht werden konnten.
Der scharf brennende Geschmack des Pfeffers kommt über die Erregung von Wärme- und Schmerzrezeptoren zustande. Reflektorisch werden Speichel- und Magensaftsekretion angeregt, ebenso die Ausschüttung von Verdauungsenzymen. Pfeffer hat daher eine deutlich appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung. Er kam in der Phytotherapie aber auch in Arzneimitteln sowie Tonika zur Anwendung. Dafür wird er aber heutzutage in Europa kaum noch eingesetzt.
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„Das Kälbchen Rosalie“ – ein Beispiel von Pulsatilla pratensis, die Kuhschelle

Ein „Arzneimittel-Bild“ in der Homöopathie, was ist das eigentlich?

Die Arzneien, welche in der homöopathischen Behandlung verordnet werden, sollten immer möglichst exakt der Ähnlichkeit des Krankheitsbildes entsprechen. Um nun ein “Arzneimittel-Bild“ zu beschreiben ist es hilfreich, ein “Krankheits-Bild“, also den Zustand (des Patienten) in der Krankheit genauer zu betrachten. Dazu gehören nicht nur die objektiven Krankheits-Symptome, wie die Beschwerden des Kranken, sondern auch die Umstände, die Modalitäten, die eine Verschlimmerung oder einer Besserung der Beschwerden auslösen dazu, die Uhrzeiten sowie die Gemütszustände, Begleitbeschwerden, als auch sonstige ungewöhnlichen Auffälligkeiten.

Diese hat Hahnemann in seinem Organon der Heilkunde im § 153 folgendermaßen beschrieben: es sind „… die auffallenden, sonderlichen, ungemeinen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles vorzüglich und fast einzig fest in’s Auge zu fassen; denn vorzüglich diesen müssen sehr ähnliche in der Symptomenreihe der gesuchten Arznei entsprechen, wenn sie die passende zur Heilung seyn soll.“

Mit diesen Worten, in der für uns zwar altertümlich anmutenden Sprache, aber mit einer unglaublich exakt formulierten Anweisung, können wir uns dem Verständnis der Energie der Arznei als “Kunstkrankheit“ ähnlich der Energie eines “Krankheits-Falles“ nähern. Weiterlesen

Der Rittersporn – Empfindsamkeit und Reaktion auf Furcht vor Verletzung

Das – jedem homöopathischen Arzneimittel innewohnende –  wirksame Energiemuster lässt sich manchmal mit ein paar kurzen, prägnanten Worten, wie eine “Eselsbrücke“, zusammenfassen. Was verstehen wir daraus von der, nach dem Ähnlichkeitsprinzip angewendeten, potenzierten Arznei?

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„Ajax suicide“ by Wilhelm Bauer (1600 – 1642)

Für die Arznei Delphinium staphisagria, dem Stephanskraut, steckt schon ein wenig im deutschen Namen “Rittersporn“. Der Legende nach wuchs die Pflanze genau dort, wo der griechische Held Ajax, entehrt, außer sich vor Wut und in Rage, sich selbst tötete und sein Blut den Boden benetzte.

Staphisagria gehört zu der Gruppe der Hahnenfußgewächse, ebenso wie Pulsatilla (die Küchenschelle), Ranunculus bulbosus (die Butterblume) oder Aconitum (der Sturmhut). Sie alle zeichnen sich durch eine besondere Empfindsamkeit aus. Aber in jedem dieser Arzneimittel gibt es diesbezüglich eine besondere „Färbung“. Im Fall von Staphisagria, geht es um die romantische Desillusionierung, um die Ehre. Da blitzt schon etwas von dem, oben erwähnten, ritterlichen Umgang hervor! Weiterlesen

In meinem Garten blüht die Schwertlilie – Iris versicolor bei Kopfschmerz

„Es gibt viele Arten von Kopfschmerzen…“ und noch viel mehr homöopathisch wirksame Arzneimittel. Denn auch ein Kopfschmerz ist bei genauerer Betrachtung ein ganz individueller Ausdruck der verstimmten Lebenskraft.

Hierbei interessiert immer die möglichst vollständige Symptomatik.
Ein vollständiges Symptom ist, wenn folgende Punkte zusammen betrachtet werden:

  1. „warum“ und „seit wann“, bin ich krank geworden, sozusagen die plausible Ursache zu Beginn.
  2. „wo“, der exakt Ort der Beschwerden ist zu beschreiben und wohin breiten sie sich aus.
  3. „wie“ sind die Beschwerden. Dies ist mit ganz besonderer Sorgfalt zu untersuchen, denn kaum jemand ist noch darin geübt, die Schmerzen oder die Art der Empfindung exakt zu beschreiben. Wenn jedoch klarer wird, dass dies für die Arzneifindung in der Homöopathie entscheidend ist, wird es spannend bei sich selber mal nachzufühlen, wie vielfältig Schmerzen sein können. Ist es ein Brennen, mit Hitze oder eher mit Jucken verbunden… ein Gefühl von Stechen wie Glassplitter, oder eher ein Pieksen wie ein Insektenstich… dumpf oder ziehend…?
  4. „wodurch“ werden die Symptome schlimmer oder gelindert?
    Dies sind die Modalitäten, die ganz einzigartig und bei jedem unterschiedlich sein können!

Neben dem „Vollständigen Symptom“ ist es hier von weiterem Interesse ob es bestimmte Veränderungen oder Auswirkungen auf die emotionale Stimmungslage gibt: so wie z.B. Gleichgültigkeit, Rückzug oder verstärkte Reizbarkeit.

Wenn wir nun den Kopfschmerz im allgemeinen nochmals unter diesen Aspekten ansehen, stellen wir sehr schnell fest, dass es zwar Kopfschmerztabletten gibt, die helfen den Schmerz zu beseitigen, dass es aber für die Besänftigung der innersten „Wurzel“ der jeweils individuellen Symptomatik keine „Allgemeinpillen“ gibt.
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Zecken – was kann ich tun?

Zecken gibt es einfach – Hilfe auch

Jedes Jahr aufs Neue, wenn die Temperaturen im Frühjahr steigen, stellt sich die Frage: soll ich mich gegen Zecken impfen?…oder nicht?
Es gibt ein paar wissenswerte Fakten rund um das Thema Zecken.

Zeckenwarnung
„Zeckenwarnung“ von Matthias Apsel – Eigenes Werk, CC0

Es gibt keine wirkliche Sicherheit von einer Zecke gebissen zu werden, es gibt aber einiges durchaus wissenswertes zu beachten. Was schützt uns vor dem Biss? Als erstes auf geschlossene Schuhe und Kleidung achten, wenn es hinaus in die Natur geht durch Wiesen, Wald und Gebüsch. Nach einem Spaziergang oder bei Kindern, die gerne draußen spielen, regelmäßig, sollte der ganze Körper nach Zecken abgesucht werden. Es dauert in der Regel eine Weile bis sich eine am Körper wandernde Zecke festsetzt. Das geschieht meist an warmen, gut durchbluteten Stellen wie z.B. den Leisten, oder an Stellen wo, die Haut weicher ist.
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Trauma überwinden und „weiter fliegen“

Das Wort Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet erst einmal ganz allgemein Verletzung oder Wunde. Medizinisch bezeichnet es eine durch Unfall oder Gewalteinwendung hervorgerufene Verwundung. Analog dazu kennen wir den Begriff Psychotrauma, hervorgerufen durch eine starke psychische Erschütterung, die durch ein traumatisierendes Erlebnis hervorgerufen wurde.

Wenn diese Begriffe uns gerade in der heutigen Zeit immer wieder begegnen, ist es hilfreich sich ein paar Dinge zu vergegenwärtigen.

Das Risiko einmal im Leben ein traumatisierendes Ereignis zu erleben ist größer als man denkt. Die davon hervorgerufenen Belastungsreaktionen können oft sehr gut bewältigt werden. Dies geschieht in dem Zeitraum von ca. 4 – 6 Monaten. Das soziale Umfeld, eine gesicherte Umgebung und Verständnis können positiv zur Heilung beitragen. Die durch Selbstheilungskräfte mögliche Verarbeitung (Resilienz), kann sozusagen ein Zurückkommen, Anknüpfen an das Lebensgefühl vor dem Ereignis möglich machen. Wenn die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auftritt, ist eine Therapie dringend angeraten, nicht nur weil der Körper innerlich den „Stress“ weiter erlebt. Auch ein einfacher Reiz, kann zu einer erneuten Kaskade von überbordenden Empfindungen führen. Hier sprechen wir von einer Re-Traumatisierung. Der Betroffene bedarf dringend einer konstanten Stabilisierung und geschulter Begleitung.
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