Die Berührung der Lebenskraft ist eine Frage der Resonanz

Dem Gefühl der tiefen Berührung in unserem Inneren, folgt manchmal ein kurzer Moment des Innehaltens und der Ruhe, bevor wir eine Reaktion auf dies Ereignis wahrnehmen. Im Positiven geht es uns so, wenn wir uns verlieben, tiefe Zuneigung spüren, eine wohlige Situation erleben in der wir uns einfach gut fühlen. Das kann sich aber auch ganz anders anfühlen, sozusagen im Gegenteil als Schock oder Krankheit. Das kann jeweils schnell oder schleichend wahrgenommen werden. Die Gründe für eine im Inneren gespürte Veränderung können aber auch ganz banal sein wie etwa Hunger, Temperaturveränderungen …

Die Kraft, die solches Erleben anzeigt ist die, in uns lebenden Wesen wirkende und wie Hahnemann sagte,  „geistartige“ Lebenskraft.  Im Allgemeinen machen wir uns keine großen Gedanken über die in uns wirkende Lebenskraft. Wenn unser Leben so von uns gewohnt „läuft“, entspricht es der heute oft gehörten „s‘past scho“-Phrase.

Die kleineren Unpässlichkeiten, Beschwerden sehen wir als vorübergehendes Geschehen, welches das Leben einfach so mit sich bringt. Das ist auch gut so. Denn die Lebenskraft lenkt alle notwendigen körperlichen Abläufe und Funktionen, die nötig sind um uns am Leben zu erhalten. Dass es jedoch weit über körperliche Regulierungsprozesse hinaus Wirkungsbereiche der innewohnenden Lebenskraft gibt, ist schwer vorstellbar. Weiterlesen

Piper nigrum

Piper nigrum, der schwarze Pfeffer, einmal homöopathisch betrachtet, potenziert verordnet –und passend zur Jahreszeit im Pfefferkuchen

Die Familie der Pfeffergewächse bringt einige, in der Küche beliebte Gewürze hervor. Der stimulierende scharfe Geschmack des schwarzen und weißen Pfeffers gehört heute in jedes Gewürzregal. Doch früher war der Pfeffer ein kostbares Gut und wurde zeitweilig sogar mit Gold aufgewogen. Er galt als „König der Gewürze“.

Modell der Nao Lionarda, eines von drei Handelsschiffen eines deutsch-italienischen Konsortiums, das 1505/1506 nach Indien segelte, um von dort Gewürze, v.a. Pfeffer, nach Europa zu bringen. Modell von Hartmut Walter, im Fugger-und-Welser-Erlebnismuseum Augsbug by Neitram – Own work, CC BY-SA 4.0

Händler, die ihren Reichtum unter anderem dem Pfeffer zu verdanken hatten, wurden als Pfeffersäcke bezeichnet. Pfeffer war ein besonderer Luxusartikel, erlangte seine Bedeutung aber vor allem dadurch, dass mit seiner Hilfe Lebensmittel lange haltbar gemacht werden konnten.
Der scharf brennende Geschmack des Pfeffers kommt über die Erregung von Wärme- und Schmerzrezeptoren zustande. Reflektorisch werden Speichel- und Magensaftsekretion angeregt, ebenso die Ausschüttung von Verdauungsenzymen. Pfeffer hat daher eine deutlich appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung. Er kam in der Phytotherapie aber auch in Arzneimitteln sowie Tonika zur Anwendung. Dafür wird er aber heutzutage in Europa kaum noch eingesetzt.
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Calcium carbonicum Hahnemannii – Die Entdeckung der Langsamkeit – Annäherung an die große homöopathische Arznei

Samuel Hahnemann verwendete den schneeweißen Teil, der zwischen der inneren und äußeren Schicht der Austernschale liegt, zur Herstellung der Arznei Calcium carbonicum. Er hielt es für das reinste Kalziumcarbonat. Doch als das Produkt eines Meerestieres enthält es auch Spurenelemente, die im Meerwasser vorhanden sind. Genau diese Tatsache macht es zu einem sehr komplexen und weit größerem Arzneimittel, als es ein chemisch hergestelltes, reines Kalziumcarbonat wäre!

Das feinstoffliche Ähnlicheitsprinzip von Calcium carbonicum zieht sich durch die ganze Natur dieser Arznei und somit entspricht auch ein entscheidender Anteil der Austernmuschel.

Schale einer Auster von I, Manfred Heyde, CC BY-SA 3.0

Es geht um die wesentliche Natur von Schutz gegenüber äußeren Einflüssen und um Stabilität sowie die Organisation innerer Einflüsse. Das Bild des schwachen „Inneren“ der Auster ohne Struktur birgt die Notwendigkeit des Aufbaus einer stabilen Schale zum Schutz als überlebenswichtiges Rückzugsmittel. Somit wird dem „Erbauer von festem Boden aus fließendem Wasser“ im Organismus zwei Polaritäten zugeordnet: die harte Schale der Außenwelt und der weiche Kern der Innenwelt. Weiterlesen

„Das Kälbchen Rosalie“ – ein Beispiel von Pulsatilla pratensis, die Kuhschelle

Ein „Arzneimittel-Bild“ in der Homöopathie, was ist das eigentlich?

Die Arzneien, welche in der homöopathischen Behandlung verordnet werden, sollten immer möglichst exakt der Ähnlichkeit des Krankheitsbildes entsprechen. Um nun ein “Arzneimittel-Bild“ zu beschreiben ist es hilfreich, ein “Krankheits-Bild“, also den Zustand (des Patienten) in der Krankheit genauer zu betrachten. Dazu gehören nicht nur die objektiven Krankheits-Symptome, wie die Beschwerden des Kranken, sondern auch die Umstände, die Modalitäten, die eine Verschlimmerung oder einer Besserung der Beschwerden auslösen dazu, die Uhrzeiten sowie die Gemütszustände, Begleitbeschwerden, als auch sonstige ungewöhnlichen Auffälligkeiten.

Diese hat Hahnemann in seinem Organon der Heilkunde im § 153 folgendermaßen beschrieben: es sind „… die auffallenden, sonderlichen, ungemeinen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles vorzüglich und fast einzig fest in’s Auge zu fassen; denn vorzüglich diesen müssen sehr ähnliche in der Symptomenreihe der gesuchten Arznei entsprechen, wenn sie die passende zur Heilung seyn soll.“

Mit diesen Worten, in der für uns zwar altertümlich anmutenden Sprache, aber mit einer unglaublich exakt formulierten Anweisung, können wir uns dem Verständnis der Energie der Arznei als “Kunstkrankheit“ ähnlich der Energie eines “Krankheits-Falles“ nähern. Weiterlesen

Was ist eigentlich eine „Erstverschlimmerung“ in der Homöopathie

Immer wieder werde ich in der Praxis gefragt, ob es im Zuge einer homöopathischen Behandlung zu einer anfänglichen „Verschlimmerung“ kommt. Verbreitet ist die Sorge, dass es nach der Einnahme der homöopathischen Arznei zwingend zu einer heftigen Zunahme der Krankheitssymptome kommt. Verbreitet ist die Meinung: „Bei der Homöopathie wird immer alles erst schlimmer, bevor es besser wird.“

Der Frage, was mit dem Begriff „Erstverschlimmerung“ gemeint ist, wie sie entsteht und wie sie bewertet werden muss, folgen unmittelbar weiteren Fragen: ob eine „Erstverschlimmerung“ gewünscht ist, weil sie eine gute Arzneiwirkung bedeutet? Ob es immer zu einer „Verschlimmerung“ kommen muss? Wie lange muss man die „Verschlimmerung“ aushalten? Und ist eine „Erstverschlimmerung“ wirklich schlimmer? Dies klingt ja dramatisch! Und deshalb der Reihe nach: Weiterlesen

Silicea terra – der Bergkristall in der Homöopathie

Die funkelnden Eiszapfen in meinem Fenster inspirierten mich hier das große homöopathische Arzneimittel Silicea vorzustellen. Lange haben wir hier in den Bergen mal wieder auf die winterliche Kälte gewartet. Die Tatsache, dass so nun diese gefrorenen “Wasser-Aggregatzustände“ in der klaren Wintersonne funkeln, lässt meine Phantasie abschweifen in die Bergkristallwelt tief im Inneren der Erde  mit verzauberten mystischen Gestalten. Beim Gefrieren von Wasser zu Eiskristallen können wir das Wunder der Kristallisation bestaunen!

Der Begriff Kristall stammt von dem griechischen Wort κρύσταλλος (krýstallos, zu κρύος krýos „Eiseskälte, Frost, Eis“). Es bedeutet zunächst, bei Homer “Eis“ – später dann auch alles dem Eis Ähnliche, Helle und Durchsichtige. Insbesondere der Bergkristall, aber auch farbige Edelsteine und Glas werden so genannt.

In diesen Assoziierungen sind auch einige der Wesenszüge dieser gut bekannten homöopathischen Arznei zu spüren. Die Starrheit der Eiszapfen, die Kälte, das funkelnde klare Strahlen…

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Eine Komponente der Krankheit – das Miasma in der Homöopathie

Über 12 Jahre genauer Aufzeichnungen aller Krankengeschichten, ließen Samuel Hahnemann nicht aufgeben, weiter zu forschen wie es zu erklären sei, dass gut gewählte homöopathische Arzneien in einem chronischen Fall helfen, jedoch nicht an die Wurzel des Übels heranreichen. Er postulierte, dass die Ursache für wiederkehrende Beschwerden in einer von Generation zu Generation vererbten Erkrankungstendenz liegt. Er prägte dafür den Begriff Miasma, aus dem griechischen für „Verunreinigung“. Heute kann man es eher wie eine Art Schicksalsfluss oder Färbung einer Krankheitsdisposition verstehen.

Dieses Bild aus dem 19. Jahrhundert sollte die Ausbreitung der Cholera durch schlechte Luft darstellen.
Dieses Bild aus dem 19. Jahrhundert sollte die Ausbreitung der Cholera durch schlechte Luft darstellen.

Hahnemann sprach damals schon von drei Miasmen. Der Psora (gezeichnet von Hautausschlag dem ältesten ererbten Grundübel), der Sycose (der Warzenbildung, die von der unterdrückten Gonorrhoe herrührt) und von der Syphillinie (Geschwürsbildung ererbter Syphillis).
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